Seines eigenen Glückes Schmied: über Beziehungsarbeit und Selbstliebe

Wir sind bereits seit 10 Jahren ein Paar. Eine Freundin hat mich mal gefragt, wie man es schafft, über einen so langen Zeitraum als Paar glücklich zu bleiben. Eine simple Antwort auf diese Frage wäre vermessen. Aber ich sehe da schon ein paar Eckpfeiler unserer Beziehung, die ganz viel zum Glücklichsein beitragen, und die ich gerne mit euch teilen möchte. Bin da nämlich sehr gespannt auf eure Sicht. Hier sind sie zunächst, meine „Grundzutaten“ für eine langjährige Beziehung:

  • Zeit zum Reden, über Alltägliches, aber eben auch über Dinge, die einen beschäftigen/freuen/traurig/stolz/wütend usw. machen. Nicht nur zwischendurch, sondern bewusst und in Ruhe, damit man Sorgen, Ängste und Freude miteinander teilen kann, gehört wird und zuhört. Sich auch Raum und Zeit dafür schaffen hilft, z.B. abends bei einem Glas Wein auf der Terrasse.
  • Besondere Auszeiten zu zweit, in denen man die Paarzeit feiert und die man sich bewusst nimmt. Wir hatten erst am Wochenende wieder eine solche bewusste Auszeit genossen – in Schreiner’s Gastwirtschaft in Wien bei einem tollen Abendessen mit Übernachtung im gemütlichen, großzügigen Gästezimmer und anschließendem super Frühstück (hier habe ich schon mal drüber berichtet). Zeit für gute Gespräche, Zeit zum Genießen. Das tut so gut!
  • Zeit für sich selbst, die man auch mal einfordern kann, wenn grade alles ein bisschen viel ist und die man dem Anderen auch gerne gönnt. Das Ich will schließlich auch gepflegt werden.
  • Eine gemeinsame Streitkultur, die am Ende zu einer Lösung führt, die ohne Gesichtsverlust auskommt: das Entwickeln einer solchen Streitkultur ist ein längerer Prozess – für mich geht es hier darum, zu wissen, wie und warum der/die Partner/in im Streit so reagiert und auch gemeinsam zu entwickeln, wie man wieder aufeinander zugehen kann, wenn es mal gekracht hat.
  • Ein Grundvertrauen, das unerschütterlich ist, weil man sich auf den Anderen verlassen kann: das ist ein Grundgefühl, das ich bei meinem Mann von Anfang an hatte. Mir ist das sehr wichtig, dass man sich dieses Gefühl nicht erarbeiten muss, sondern dass einem das automatisch gegeben wird.
  • Selbstliebe – zu sich selbst stehen, denn das erst ermöglicht auch das richtige Einlassen Können auf den/die Partner/in. Ich denke, man muss mit sich selbst gut klar kommen, um eine Beziehung über einen langen Zeitraum zu leben. Das heißt für mich nicht, dass keine Selbstzweifel erlaubt sind, aber dass auch die Auseinandersetzung mit sich selbst parallel zur Beziehungsarbeit wichtig ist, um sich selbst zu kennen und Handlungsmuster in der Beziehung auch in Bezug auf das Ich reflektieren zu können (meine Freundin Julia von sinn-impuls hat hier auch ausführlicher zum Thema Selbstliebe geschrieben und schreibt mir damit aus der Seele.)

In dieser Liste sollte für mich übrigens nie stehen: unser/e Kind/er. Denn natürlich verbindet uns unsere unendliche Liebe zu unserem Kind auch miteinander – als Eltern. Und ich habe mich auch in das Vatersein meines Mannes verliebt. Aber Beziehung – das sind wir Beide. Als Eltern sehe ich hier die Gefahr lauern, einander als Mama/Papa des/r Kindes/r wertzuschätzen, aber den Mann/die Frau als Partner/in nicht mehr zu sehen. Im Alltag geht das schnell, hier ist also aktive Arbeit gefordert, auch Paar zu bleiben.

Ich habe einleitend übrigens auch bewusst von „Grundzutaten“ für eine langjährige Beziehung geschrieben und nicht „für eine stabile Beziehung“, denn in längeren Beziehungen kann es auch mal Phasen geben, die einen bzw. Beide durchrütteln. Das ist okay, solange man dran arbeitet, das gemeinsam zu bewältigen. Und das fängt wieder bei Punkt 1 an: miteinander reden.

Wie ist das bei euch? Was ist euer „Kitt“ in der Beziehung, der euch zusammenhält? Und was macht ihn aus?

Eure Iris
Beitragsbild: Schreiner’s (privat)

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